AktUeller Senf vom Rollett
Gemeinnütziges Bauen: weniger, aber stabiler
Elf Komma neun. Das ist die Zahl, mit der der Verband der gemeinnützigen Bauvereinigungen (GBV) dieser Tage in die Öffentlichkeit tritt. 11.900 Wohnungen haben die gemeinnützigen Bauträger im Jahr 2025 fertiggestellt – um 13 Prozent weniger als im Jahr davor. Das klingt zunächst nach schlechten Nachrichten. Aber, und das ist eben das Interessante an dieser Geschichte: Gemessen an dem, was rund herum passiert, ist das eigentlich eine Erfolgsmeldung.
Denn während der gewerbliche Wohnbau in der Krise schlicht die Projekte auf Eis legt, bauen die Gemeinnützigen weiter. Kontinuierlich, planbar, unspektakulär. Ergebnis: Ihr Marktanteil bei Baubewilligungen im Mehrgeschoßwohnbau ist auf über 50 Prozent gestiegen. Jede zweite neu bewilligte Wohnung in diesem Segment geht also auf das Konto eines GBVs. Das ist keine Kleinigkeit.

Das Investitionsvolumen bleibt beträchtlich: 2,7 Milliarden Euro im Neubau, weitere 1,7 Milliarden in Sanierung und Instandhaltung. Wobei gerade letzteres eine eigene Geschichte verdient – denn bei der thermischen Sanierung legen die Gemeinnützigen richtig zu: 7.900 Wohnungen wurden 2025 saniert, ein Plus von 17 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Bei den Umstellungen auf klimafreundliche Heizsysteme gibt es ebenfalls einen Zuwachs von 6 Prozent auf rund 6.900 Wohneinheiten. Klimaschutz und leistbares Wohnen – man täte gut daran, diese beiden Themen nicht länger gegeneinander auszuspielen.
Was den Gemeinnützigen weiterhin schlaflose Nächte bereitet: Grundstücke. Oder vielmehr deren Fehlen. „Leistbare Grundstücke sind das Fundament für leistbare Wohnungen“, sagt Verbandsobmann Michael Gehbauer – und hat damit natürlich völlig recht, aber leider auch wenig Gehör gefunden bisher. Die Forderung, dass öffentliche Liegenschaften vorrangig dem gemeinnützigen Wohnbau zugute kommen sollten, ist so alt wie sie berechtigt ist.
Ab 2027 soll es übrigens wieder aufwärts gehen – ein „sanfter Aufwärtstrend“ wird erwartet. Bis dahin gilt: stabil bauen, fleißig sanieren, und hoffen, dass die Politik das Fundament nicht weiter dem Zufall überlässt.Das Burgenland mit +65 % ist übrigens der stille Ausreißer dieser Statistik – fast könnte man einen eigenen Text darüber schreiben, was dort gerade passiert. Falls du willst, mache ich das.
Expo Real erweitert ums Thema Infrastruktur
Die Immobilienmesse Expo Real nimmt künftig Infrastrukturprojekte stärker in den Fokus. Ab der kommenden Ausgabe soll das Thema als eigenständiger Bestandteil der Veranstaltung etabliert werden.
Hintergrund ist die wachsende Bedeutung von Infrastrukturinvestitionen im Zuge von Energiewende, Mobilitätsumbau und Digitalisierung. Laut Veranstalter sollen damit neue Zielgruppen angesprochen und Schnittstellen zwischen Immobilien- und Infrastruktursektor stärker vernetzt werden.
Geplant sind eigene Ausstellungsflächen sowie inhaltliche Formate, die Projekte, Finanzierungsmodelle und regulatorische Rahmenbedingungen abbilden. Ziel ist es, die Messe thematisch breiter aufzustellen und aktuelle Entwicklungen im Markt stärker zu berücksichtigen.
Ui, die Zinsen!
Jetzt schaute es mal kurz nach Besserung am Immobilienmarkt aus, da drohen nun die Zinsen wieder rauf zu gehen. Das bestätigt nun auch der Kreditvermittler Infina. Die Eskalation im Nahen Osten wirkt halt zunehmend auf Europas Wirtschaft durch und verschärft die geldpolitische Lage. Steigende Ölpreise treiben die Inflation wieder an, während die Europäische Zentralbank ihre Wachstumserwartungen nach unten korrigiert. Zwar bleibt die Kerninflation vorerst rückläufig, doch das Risiko von Zweitrundeneffekten wächst. An den Finanzmärkten werden bereits mehrere Zinsschritte bis Ende 2026 erwartet, deren tatsächliches Ausmaß jedoch stark vom weiteren Verlauf des Konflikts abhängt.
Für die Immobilienfinanzierung bedeutet das eine Trendwende. Kurzfristige Zinsen wie der 3-Monats-Euribor steigen wieder, während sich langfristige Zinsen stabilisieren. Gleichzeitig treffen höhere Finanzierungskosten auf ein knappes Neubauangebot und hohe Baukosten. Nach einer Phase der Erholung dürfte sich der Zugang zu Wohnbaukrediten im Jahresverlauf wieder verschlechtern.
Die Gefahr einer Stagflation nimmt zu. Steigende Energiekosten belasten nicht nur die Inflation, sondern auch das Wirtschaftswachstum im Euroraum. Die EZB steht damit erneut im Spannungsfeld zwischen Inflationsbekämpfung und Konjunkturstützung.
Auch für private Haushalte verschärfen sich die Rahmenbedingungen. Der Infina-Leistbarkeitsindex zeigt für 2026 eine zunehmende Belastung: Steigende Immobilienpreise und Zinsen treiben die Schuldendienstquote nach oben. Aktuell liegt sie laut Schnellschätzung bei 38,5 Prozent des Einkommens österreichweit und bei 35,1 Prozent in Wien.
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